Interview Hall of Frames Weekend

Da viele Hotels in Luzern Pandemie-bedingt bis Ende April geschlossen sind, wird das «Hall of Frames Weekend» auf den 8. bis 10. Mai 2021 verschoben. Für diese Ausgabe sind die beiden Messeveranstalter Nathanaël Wenger (NW) und Eveline Perritaz (EP) eine Kollaboration mit Fredrik Melin (FM), dem Organisator des «You & Eye Weekend» in Göteborg eingegangen. Der Schweizer Optiker (SO) wollte von ihnen wissen, wie es zu dieser Zusammenarbeit gekommen ist und wie sie die Entwicklung der Messen in Zukunft einschätzen.

SO: Wie ist das «You & Eye Weekend» entstanden und was ist ihr Bezug zur Optikbranche?

FM: Ich bin seit fast 20 Jahren in der Optikbranche tätig und betreibe zusammen mit meinem Team eine Optikagentur namens Eyewear Network in Skandinavien. Die Idee eines eigenen Optik-Events in Schweden beschäftigt unser Vertriebsteam schon länger. Wir hatten den Eindruck, dass unsere Branche neue Impulse benötigt. In der aktuellen Situation hiess es jetzt oder nie.

Fredrik Melin

SO: Inwiefern unterscheidet sich die «You & Eye Weekend» von einer klassischen Fachmesse?

FM: Das «You & Eye Weekend» ist eigentlich der Gegenentwurf einer internationalen Messe. Diese liegen meist ausserhalb des Stadtzentrums in einem anonymen Vorort. Wir bringen die Messe wieder in das Stadtzentrum, wo die Besucher den Aufenthalt geniessen und die Arbeit mit dem Vergnügen kombinieren können.

Neu ist auch, dass wir uns von der klassischen Messehalle gelöst haben. Unser Anlass wird nur durch eine digitale Plattform zusammengehalten. Auf dieser finden die Besucher die Standorte der Aussteller und wir geben ihnen Tipps, wie sie den Wochenendtrip am besten geniessen können. Auch können sie von Spezialangeboten bei unseren Hotelpartner profitieren.

Die Aussteller am «You & Eye Weekend» organisieren sich selbstständig und sind frei, wie und wo sie sich dem Publikum präsentieren. Der Anlass ist kosteneffektiv und es steht genügend Zeit für qualitativ hochwertige Treffen zur Verfügung.

SO: Wie war die Resonanz der Besucher und Aussteller?

FM: Das Feedback der Besucher wie auch der Aussteller war fantastisch! Die Aussteller waren sehr zufrieden, da wir die Kosten reduziert und die Hürden, welche ihre Kreativität bisher einschränkten, beseitigt haben. Während den Messetagen konnten sie im Grunde tun, was immer sie wollten, um sich ihren Kunden zu präsentieren. Die Plattform und das gemeinsam mit den Ausstellern betriebene Marketing machten es ihnen einfach, neue Kunden zu gewinnen.

“Das Feedback der Besucher wie auch der Aussteller war fantastisch!”
Fredrik Melin

Auch die Besucher haben unser Messeformat sofort angenommen. Sie konnten das geschäftliche mit einem angenehmen City-Trip verbinden. Es wurde geschätzt, dass mehr Zeit zur Verfügung stand und die Qualität der Meetings deutlich höher war. Viele sind sehr zufrieden nach Hause gefahren und haben versprochen, im nächsten Jahr wiederzukommen.

SO: Nathanaël, du organisierst schon seit über 10 Jahren die Hall of Frames in der Schweiz. Wie seid ihr auf das «You & Eye Weekend» aufmerksam geworden und wie ist es zur Zusammenarbeit gekommen?

NW: Orgreen, ein Partner von uns, hat am ersten «You & Eye Weekend» in Göteborg teilgenommen und ihre Kollektion in einem Pop-Up Store präsentiert. Sie waren begeistert von dem Format und Gregers, der Verkaufsleiter von Orgreen, hat mich gleich daraufhin mit Fredrik bekannt gemacht.

SO: Wie schätzt ihr die Entwicklung der Messelandschaft ein?

EP: Internationale Messen haben nicht nur wegen der Pandemie an Ausstrahlung verloren. Reisen ins Ausland wird teurer und komplizierter, grosse Menschenansammlungen werden gemieden. Im Gegenzug gewinnen regionale Messen an Bedeutung. Auch hybride Formate, bei denen die physische und die digitale Welt miteinander verbunden werden. Die Pandemie hat viele gezwungen, ihre Arbeitsformen zu überdenken. Durch das Home-Office wurden Familie und Beruf wieder stärker zusammengebracht. Diesen Trend nimmt das «Hall of Frames Weekend» auf.

Eveline Perritaz & Nathanaël Wenger

NW: Für die augenoptische Industrie sind das Internet und die sozialen Medien grossartige Werkzeug um zu zeigen, wer man ist. Augenoptiker*innen möchten aber immer noch das Produkt anfassen und spüren können. Um neue Kollektionen zu entdecken und Lieferanten kennenzulernen braucht es den physischen Kontakt. Dies ist online praktisch nicht möglich.

FM: Bisher hatten fast alle Branchen den gleichen Ansatz für Messen. Für unsere Branche kann unsere neue Art von Veranstaltung eine gute Lösung sein und die Messelandschaft verändern. Die Vorteile liegen auf der Hand. Der Anlass ist erlebnisorientiert und kosteneffektiv. Die Aussteller können sich entsprechend ihren Wertevorstellungen in Szene setzen. Traditionelle Messen werden nicht verschwinden, aber sie werden sich verändern und Seite an Seite mit diesen neuen Messeformaten gehen. Wir sehen, dass auch andere Branchen in Schweden diese Veranstaltungsform bereits ausprobieren.

NW: Es wird vermehrt zu Kollaborationen zwischen unabhängigen Brands kommen. Grosse Häuser werden eigene Ausstellungen organisieren. Augenoptiker*innen werden immer mehr in die digitale Welt gedrängt. Es gibt bereits Firmen, welche den digitalen Einkauf anbieten. Eine Lagerbewirtschaftung ist auch auf Distanz möglich. Dies bedingt aber ein Umdenken sowohl bei Optiker*innen wie bei Aussendienstler*innen.

SO: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

FM: Zunächst einmal hoffe ich, dass Pandemie bald abklingt und wir wieder zu einem «normalen» Leben zurückkehren können. Wir sind sehr gespannt auf das «Hall of Frames Weekend» und werden diesen Anlass sehr nah verfolgen. Wir planen unser nächstes «You & Eye-Weekend» vom 2. bis 5. September in Göteborg.

NW: Unser Hauptfokus liegt momentan auf der Organisation des «Hall of Frames Weekends» in Luzern. Mir gefällt die Kombination zwischen Arbeit, Freizeit und Erholung sehr gut.

EP: Wir stecken zudem in der Planung unserer traditionellen Tischmesse «Hall of Frames», welche im Herbst in Zürich stattfindet. Es wird eine der ersten Veranstaltungen im neu renovierten Kongresshaus Zürich sein.